Dauphiné Liberé abseits der Rennstrecke
Die 60. Ausgabe der Dauphiné Liberé mal abseits der Rennstrecke
Fuer diejenigen , denen die Vergleiche fehlen ,werde ich an dieser Stelle einmal ein paar Eindruecke schildern,die sich mir abseits der Rennstrecke boten.
hier ein Originalbegleitwagen der Dauphiné von 1956
Also Frankreich ist anders, das steht fest!
Die Beschilderung ist sehr sehr duerftig und dann kommen noch Jaeger und Sammler hinzu, die alles klauen , was nicht niet und nagelfest ist , so steht man dann, also alle, die Teambusse, die Journalisten und die Fahrer mitten in der City und hat keinen blassen Schimmer, wo eigentlich der Start ist...
Dann ist das Startprozedere oft an einem zentralen Platz in der Fussgaengerzone, welche in Frankreich oft ueblich mit diversen Arten von Kopfsteinplastern ausgestattet sind und diversen Verkehrshindernissen, um eben alle Fahrzeuge fernzuhalten,

das ist alles schoen und gut, fuer ein Rennrad,welches fuer ein Radrennen praepariert ist, aber extrem bescheiden...,da muessen die Jungs, wenn sie zum Einschreiben wollen ueber Bollen springen ihre Raeder ueber festmontierte Gegenstaende heben und die Teambusse ,in denen sich die Fahrer bis 10 min vor Start aufhalten parken extrem unguenstig in irgendwelchen Hauseinfahrten...ok,es gibt offizielle Teamparkplaetze,nicht immer sind diese nah dem Start und so kommt es vor, dass man umherirrende Fahrer in der City trifft..oder die Fahrer kutschieren ihre Familienmitglieder rum , so wie hier Michael Barry

Fuer uns "Journalisten" ist das doppelt schwer , nicht jeder kommt vom Start bis zum Ziel mit einem offiziellen Motorrad, die meisten , so auch ich ,mit dem Auto..
an dieser Stelle moechte ich meinem lieben Auto danken ,dass die 2.500km gut gemeistert hat, ich bin vielleicht froh...und meiner Freundin Momo ,die neben spanisch auch perfekt franzmaennisch spricht und so die oft orientierungslosen Ordner zurechtweisen konnte, sprich uns den Weg frei diskutieren konnte ;-)) und mir als Beifahrerin eine grosse Hilfe war, wir sind sowieso das beste und schnellste Team ..
und weil das so ist ,bekommen wir auch taeglich unsere Ration Kuesschen der Fahrer

Also ,man muß die franzoesischen Gepflogenheiten kennen( sprich sich durchwuseln und nicht großartig um Erlaubnis fragen..was einigermaßen funktioniert, wenn man einen offiziellen Aufkleber am Auto hat) also schnell raus aus der Stadt( so kann man nicht jeden Tag Start,Strecke und Ziel sehen und muss demzufolge Prioritaeten setzen..die bei mir eindeutig auf Strecke und Ziel lagen) und sich vor das Feld setzen oder eine kostenpflichtig Autobahn suchen, auf der man dann das Peloton ueberholen kann.

Doch wer etwas auf sich haelt , latscht vor dem Start ins Village und wartet sehnsuechtig auf die Eroeffnung des Fressbuffets, welches grundsaetzlich erst nach der Rede eines offiziellen Heinis zugaenglich wird, bevor dies nicht geschieht, gibts es Kaffee oder Wein , ja Rotwein , der auch barrelweise runtergekippt wird schon zu frueher Tageszeit...man liest die Tageszeitungen Dauphiné oder die L´Equipe (die in diesen Tagen voll mit Fussball war..)
ich im Village
anschließend geht man die Bekannten begruessen und holt sich Bussies Bussis Bussis ab und trifft Verabredungen fuer den Abend,
Samu,Tomas (Mechaniker bei Euskal)und ich
der mich dann nicht mehr weglassen wollte ;-)

schaut sich in den Bussen um, probiert Helme auf (Vladimir Efimkins Helm- er weiss es nicht ,dass ich ihn trug ;-) ) und probiert die verschiedensten Arten von Kaffees vergleicht die Ausstattungen der Teambusse

trifft ehemalige Fahrer (wie hier Laurent Jalabert,der fuer das Fernsehen arbeitete)

oder trifft Fahrer,die man kennengelernt hat und ist ueberrascht ueber die Veraenderungen, wie hier der junge Dominik Roels Jg 1987 bei Team Milram,der ganze 8 kg abgespeckt hat ,seit Anfang April und frisch rasiert richtig gut aussieht,ein wenig an Ulle erinnert


oder den " Basken Eimer ", der ein wirklich netter Zeitgenosse ist ,hier mit Ruben Perez

Iñigo Questas Sattel

Dann sucht man sich einen Schluesselpunkt aus , zB die Verpflegungstelle oder eine gefaehrliche Kurve im Optimalfall einen Berg ( in Spanien werden die Rennen grundsaetzlich so organissiert, dass genau das funktioniert ! also Berg und Ziel sehen,in Frankreich dagegen nur sehr selten)

Lustig ist es generell fuer mich, wenn ich vor den Teamautos an der Vepflegungsstelle bin ,dann lachen diese Turnbeutelvergesser und sind ueberrascht , ich hab schliesslich auch keinen Hubschrauber ...
Andoni Arce, Masseur bei den Orange Baskenheinis,der im Auto Jon Bru hatte,der ausgestiegen war,als ich sie auf der Autobahn ueberholte und bei Tempo 120 auch noch fotografierte...
fuer mich speziell wird es zwischen den Zuschauern interessant; bei kleineren Rennen kann man diese etwas herumdirigieren, so dass sie NICHT im entscheidenden Moment ins Bild rennen...wenn dagegen viele Leute rumstehen ( was natuerlich schoen ist) gestaltet sich stressfreies Fotografieren schwierig ;-)

ich schlendere dann durch die Verpflegungszone und vertreibe mir mit mehr oder weniger geistreichen Gespraechen in allen moeglichen Sprachen die Wartezeit bis das Feld kommt, werde mit Essen und Trinken vesorgt , welches einfach aus den Beuteln genommen wird ;-)

dann kommt das Feld , ich halte Ausschau nach dem Maillot Jaune ,wenn ich es gefunden hab ,bin ich gluecklich und renne zum Auto- Gang rein - ab Richtung Ziel..
wenn dieses allerdings in La Toussuire ( was uebrigens von Tussy kommt ;-) )auf 1800m Hoehe ist, kann das Auto schon mal seltsame Geraeusche machen und sich merkwuerdig verhalten , so bei mir geschehen-ein Anruf daheim ,brachte Erleichterung, nur ein leichter Hoehenkoller wurde per Telefon diagnostiziert ;-)
La Toussuire an sich ist fuer mich jetzt kein erstrebenswerter Ort, den ich besuchen moechte, wenn dort kein Radrennen stattfindet

also am Ziel angekommen , vielleicht seinen PC schon im Pressezentrum platziert ,im Optimalfall Internet gefunden und wieder raus zur Ziellienie,dort hocken dann schon die Betreuer,die vorgefahren sind,also die Verpflegungsarmada und schauen auf die Videoleinwand, auf der das Rennen uebertragen wird, hier die Gerols

wenn die Spitzengruppe noch 3 - 4 km hat , werden alle Leute aus dem Zielbereich entfernt und die Fotografen muessen sich an der markierten Linie aufstellen, ich hock mich meistens auf den Boden ganz vorn ,direkt neben die Fernssehkamerafrau.
Dann kommt der spannende Zieleinlauf und man ist schon hin und wieder ueberrascht ,wer da so als erstes die Linie ueberquert; wer kannte schon einen Yury Trofimov???
wie in Morzine

ich kenne ihn jetzt , ein sehr nettes kleines fleissiges Buebchen-alles gute auf diesem Weg ; Yury
oder wie geschehen in La Toussuire ; Chris Anker Soerensen ,nicht verwandt mit Nicki oder Rolf..der einen Angelhaken warf , nach einer Wette mit Kumpels ,meinte er ;sollte ich einmal ein bedeutendes Rennen gewinnen, was im Fernsehen uebertragen wird, werde ich den Angelhaken werfen, symbolisch
-also nach Robin Hood Bettini, der Pfeile schiesst und dem ballernden Bademeister Alberto Contador nun auch Angler im Peloton ;-)

dann kommt der Rest so eingetrudelt , die einen mehr die anderen weniger tot,

die Gerolsteiner haben mich schon enttaeuscht , oft 20 min ,als die Siegerehrung laengst vorrueber kamen Wegman und Konsorten angewackelt
ein nettes Bild bot sich ,als der bereits genannte Chris Anker gerade seine Blumen bekam, rollte Nicki ins Ziel und fuhr zum Podium und umarmte seinen Teamkameraden, ein herzlicher Anblick

So und dann wartet man auf das gelbe Trikot , in dem Fall Alejandro Valverde , der wirklich gut drauf war und zwar physisch wie psychisch , doch mit dem Trikot -anziehen gab es immer mal Probleme ;-)

sichtlich amuesiert doch dann irgendwann geschafft , bekam ich die Blumen von Alejandro , was mich sehr freute und alle anderen (maennlichen ) Fotografen betrachten das Treiben doch sehr skeptisch und etwas neidvoll - wie hier rechts hinter mir, Tim de Waele

so ,alles im Kasten , wackele ich wieder zum Pressezentrum ,hoffe ,dass mein Laptop noch da steht ,suche nach etwas ess und trinkbaren und schließe meine Kamera an den PC ,checke so um die 300 Fotos ,bearbeite ein paar,lade sie, verschicke sie an diverse Leute ,schreibe kurz einen Artikel, das alles dauert dann schon 60-120 min und breche auf in Richtung Hotel ohne eigentlich richtig fertig geworden zu sein.
Irgendwie waren die 4 Tage anstrengend und das nicht nur wegen der 1000km langen Anreise , nein auch die Franzosen sind mitunter belastend ( natuerlich nicht alle) zum Beispiel einer der Chefs der Organisation Monsieur Jean Claude Halma, der sehr zuvorkommend und freundlich war, ja einige bemuehten sich sogar englisch oder deutsch zu sprechen...!!!

oder auch die freundlichen Polizisten, die die Strecke und das Rennen absicherten
